Das erste Segelschiff

pogrej  

Im Jahr 1977 fing ich an, bei dem polnischen Fernsehen zu arbeiten. Dort hatte ich genug Möglichkeiten, um für den Segelsport Werbung zu machen. Und da der damalige Fernsehchef schon sowieso ein begeisterter Fan vom Segeln sowie Jachtkapitän war, konnte ich ihn dazu überreden, für die Jugendlichen eine große Jacht mit einer spezifischen Takelung zu bauen – eine 47 Meter lange Bark mit drei Masten.

So baute die polnische Schiffsindustrie zum ersten Mal in ihrer Geschichte ein Rah-Segelschiff. In den nächsten Jahren wurden dann noch zehn weitere gebaut. Mit 1000 Quadratmetern Segelfläche entstand die Pogoria und wurde für Schulen zur Verfügung gestellt. In ihren ersten Tall Ships Races im gleichen Jahr erwies sie sich als das schnellste Segelschiff in ihrer Klasse.

Die Polnische Akademie der Wissenschaften leitet eine Forschungseinrichtung auf den südlichen Shetland-Inseln und muss jedes Jahr das Transportproblem der Mitarbeiter über einen Weg von 9000 Seemeilen lösen. Ich schlug vor, die Pogoria für den Transport zu nutzen. Und so befand ich mich im Winter 1980/81 plötzlich auf einer ziemlich ungewöhnlichen Expedition – von dem Schnee und Eis auf der Ostsee zu den Eisbergen der Antarktis. Die King George Island, auf der sich die Arctowski-Forschungseinrichtung befindet, erreichten wir in zwei Monaten und genau so lange dauerte die Rückreise. Auf diese Weise stellte sich heraus, dass die Seefracht mit einem Segelschiff zwar doppelt so lange [s1] dauert, dafür aber zehnmal billiger ist.Pogoria 02

1982 startete ich im Fernsehen einen großen Aufruf an alle 16-Jährigen in Polen. Alle, die mit mir auf den Indischen Ozean fahren wollen, sollten eine ältere, hilfebedürftige Person betreuen. Manche glaubten das nicht, andere wollten die zusätzliche Pflicht nicht auf sich nehmen, aber etwa 2000 junge Leute stellten sich der Herausforderung. Wir nahmen 30 Wettbewerbsfinalisten und Lehrer aller Fächer mit an Bord. So entstand die „Schule unter Segeln“, ein fließendes gymnasiales Klassenzimmer. Die Teilnehmer dieser ersten Schule auf Seefahrt kamen nach 20 Jahren noch einmal in Warschau zusammen. Fast alle haben inzwischen bemerkenswerte Karrieren gemacht und sehen die Schule jetzt als einen Wendepunkt in ihrem Leben.

Ein ähnliches Projekt fand 1988 statt – diesmal mit einem internationalen Team. Russen, Amerikaner und Polen – jeweils 10 Teilnehmer aus jedem Land – fuhren mit der Pogoria rund um Südamerika unter der Flagge der Vereinten Nationen. Die gemeinsame Sprache war Englisch. Im ersten Semester segelten wir auf dem Atlantik nach Ushuaia auf Feuerland. Im zweiten Semester segelten wir auf dem Pazifik entlang der Küste von Chile und Peru. Ein Sturm in der entgegengesetzten Richtung hielt uns für über zwei Wochen in der Drakestraße fest. Demzufolge verbrachten wir Weihnachten auf Dünungswellen.

Nach 25 Jahren (in 2013) gingen ehemalige Schüler der Internationalen „Schule unter Segeln“ noch einmal an Bord der Pogoria. Auf einer einwöchigen Erinnerungsreise segelten wir gemeinsam über das Mittelmeer.

 

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